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Starportraits: Woody Allen - der Stadtneurotiker

 

Den Frauen bereitet er keine schlaflosen Nächte: Bleiches Gesicht, schüttere Haare, Sommersprossen, Hornbrille – Woody Allen ist kein Adonis. Cineastenherzen lässt er dafür regelmäßig höher schlagen. Unter seinen 31 Filmen befinden sich viele Meisterwerke.

Manche halten ihn für verrückt, für andere ist er ein Genie: Woody Allen - Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur, Produzent, Musiker. Und bekennender Neurotiker. Die Rolle als liebenswert verrückter Großstadtbewohner machte ihn berühmt - zumindest in Europa. Vielen Amerikanern ist der eingefleischte New Yorker einfach „zu europäisch". 

Woody Allen

Vor 65 Jahren wurde Woody Allen als Kind jüdischer Eltern in Brooklyn geboren. Sein eigentlicher Name: Allen Stewart Königsberg. Zu seiner jüdischen Abstammung hatte er immer eine widersprüchliche Beziehung. Als Filmemacher erlaubte er sich Witze darüber, für die man im Amerika der „Political Correctness" jeden Nichtjuden in die Wüste geschickt hätte.

Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich will nur nicht da sein, wenn es passiert.

Im Alter von drei Jahren hatte er seine erste Begegnung mit dem Film: Bei „Schneewittchen und die sieben Zwerge" stiefelte er im Kino nach vorn und berührte fasziniert die Leinwand. Die Schule hasste er und verbrachte seine Kindheit lieber mit dem Einstudieren von Zaubertricks und dem Üben auf der Klarinette. Mit 17 trennte er sich von seinem Geburtsnamen und nannte sich nur noch Woody Allen.

An der New York University belegte er das Fach Filmproduktion. Sein erstes Semester war gleichzeitig sein letztes, Prüfung nicht bestanden. Wenige Jahre später schrieb er schon Gags fürs Fernsehen, trat in Bühnen- und Fernsehshows auf und tourte als Komödiant durch die New Yorker Clubs.

Some guy hit my fender, and l told him, ,Be fruitful and multiply', but not in those words. 

Das Jahr 1959 markiert den Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Woody Allen und die Psychoanalyse. Nicht nur im wahren Leben, auch in seinen Filmen spielten Psychologen, Psychiater und Analytiker immer eine Hauptrolle. Seine Premiere als Autor und Schauspieler gab Woody in „Was gibt's Neues, Pussy". Ein Jahr später nahm er mit „What's up, Tiger Lily" einen Spionagethriller aus Japan in die Mangel, den er komplett umschnitt und ins Nonsens-Englisch umtextete.

Sein Debüt als seriöser Komödienregisseur gab er 1969 mit „Woody, der Unglücksrabe". Woody spielte Woody und führte damit die Figur ein, auf der er seinen Filmerfolg gründete: Neurotisch, hektisch, hysterisch, hypochondrisch - der typische Manhattan-Bewohner.

In Kalifornien wird Müll nicht weggeworfen. Man macht Fernsehshows daraus.

Schnell fand Allen zu seinem Rhythmus von einem Film pro Jahr, angefangen mit der Politsatire „Bananas" und seinem Beitrag zur Aufklärungswelle der 70er: „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten". Für seinen Streifen „Der Stadtneurotiker" erhielt er 1977 zwei Oscars, für beste Regie und bestes Drehbuch. Bei der Preisverleihung suchte man ihn jedoch vergeblich: Woody zog es vor, wie jeden Montag mit seiner New Orleans Jazz Band Klarinette zu spielen. Das Unterhaltungsgeschäft nimmt der Hollywood-Hasser auch in seinen Filmen aufs Korn, wie in „Broadway Danny Rose" oder "Bullets over Broadway".

Und die Frauen lieben ihn doch: Nach zwei kurzen Ehen lebte und arbeitete er lange mit Diane Keaton. Nach der Trennung 1977 trat Mia Farrow an ihre Stelle, mit der Allen elf Filme drehte und zwei Kinder adoptierte, darunter Soon-Yi Previn, die er 1997 heiratete. Vorher hatte ihn Mia in die Klatschspalten gezerrt. Ihr Vorwurf, er habe ihre Kinder sexuell belästigt, erwies sich vor Gericht als haltlos.

Ich will nicht durch mein Werk unsterblich sein. Ich will unsterblich sein, indem ich nicht sterbe.

Im Dezember 2000 feierte Woody Allen seinen 65. Geburtstag. Kein Ruhestand in Sicht: Nach wie vor legt er jedes Jahr einen neuen Film - und damit meist einen neuen Erfolg - vor. Die US-Stars stehen Schlange, um (für wenig Gage) dabei sein zu dürfen. Zum Beispiel Leonardo di Caprio als dekadenter Star in "Celebrity" oder Sean Penn als Jazzgitarrist in "Sweet and Lowdown". Zu den bis jetzt zwanzig Oscar-Nominierungen dürften noch einige hinzukommen.

© Oliver Gerhard

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