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Starportraits: Jim Carrey - König der Grimassen

 

In der Schule war er der Klassenclown. Heute bringt er Millionen zum Lachen. Der Komiker Jim Carrey wird in einem Atemzug mit Jerry Lewis und Eddie Murphy genannt. In dem Film "Ich beide und sie" kann der Meister des Slapsticks sein Talent voll ausleben.

Der Aufstieg Jim Carreys verlief klassisch, ein Musterbeispiel für den "American Dream": Vom einfachen Fabrikarbeiter zu einem der bestbezahlten Komiker der Welt. Den ersten Deal schloss der gebürtige Kanadier als Dreizehnjähriger mit seinem Lehrer. Nach dem Unterricht durfte er jeden Tag zehn Minuten seine Mitschüler unterhalten. Die lagen unter den Pulten vor Lachen. Zu Hause persiflierte er seine nervigen Großeltern - zum Vergnügen der übrigen Familie.

Jim Carrey

Ausgebuht beim ersten Auftritt

Als sein Vater arbeitslos wurde, verließ er die Schule, um Geld für die Familie zu verdienen. Mit seinen drei Geschwistern jobbte er in einer Reifenfabrik. Zeitweise lebten die Carreys im Wohnwagen oder Zelt. Mit 15 trat Jim zum ersten Mal als Komiker auf – im knallgelben Polyesteranzug. Das Publikum buhte ihn von der Bühne. Der zweite Versuch klappte besser, danach trat er regelmäßig in "Yuk Yuk's Comedy Club" in Toronto auf.

Neuer Start in Hollywood

Als 19-Jähriger zog Carrey nach Los Angeles. Klinken putzen in Hollywood, Tingeln durch Comedy-Shows im Fernsehen. Drei Jähre nach seiner Ankunft in der Traumfabrik konnte er aus dem Einkommen seiner eigenen Show "The Duck Factory" leben. Die wurde zwar nach dreizehn Folgen eingestellt, machte aber diverse Regisseure auf ihn aufmerksam. Man gab dem Improvisations-Künstler erste Filmrollen: In Francis Ford Coppolas "Peggy Sue hat geheiratet" und in "Earth Girls are Easy" - in Deutschland wurde daraus "Zebo der Dritte in der Sternenmitte". Gleichzeitig ulkte sich Jim Carrey in der Comedy "In Living Color" in die Herzen der Amerikaner. In respektlosen Sketchen schuf er eine Reihe denkwürdiger Figuren wie den destruktiven Feuerwehrmann Bill mit seinen grotesken Sicherheitstipps. 

Der Zwanzig-Millionen-Dollar-Mann

1984 war DAS Carrey-Jahr. Mit drei Filmen brach er Kassenrekorde und spielte sich endgütig an die Spitze der Großverdiener im Filmgeschäft: "Ace Ventura", "Dumm und dümmer" und der Sommer-Blockbuster "Die Maske". In dieser Mischung aus Komödie und Cornic verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, zwischen durchgeknalltem Slapstick und Tricktechnik.
Als diabolischer "Riddler" in "Batman Forever" setzte Carrey dann noch einen drauf. So konnte es aber nicht weitergehen. In "Cable Guy - Die Nervensäge" durchbrach er zwar die Schallmauer von einer Milliarde Dollar Einspielsumme. Aber die Fans waren sauer: Zu düster und erschreckend war die Rolle des manisch-verrückten Cable Guys, zu wenig krachender Slapstick. Dafür war Carrey jetzt ein Zwanzig-Millionen-Dollar-Mann - so viel konnte er pro Film verlangen. Die Fans beruhigte er als "Dummschwätzer" – wieder etwas für Herz und Zwerchfell zugleich. Er spielte darin einen zwanghaften Lügner, der seinem Sohn an dessen Geburtstag verspricht, 24 Stunden lang nicht mehr zu lügen.

"Golden Globe" für die "Truman Show"

Vor zwei Jahren schließlich der größte Erfolg: Carrey als naiver Versicherungsangestellter im idyllischen Seahaven, umgeben von seiner Frau Meryl, seinem besten Freund und seiner Mutter. Doch alles ist gefälscht. Seahaven ist ein gigantisches Set, von dem aus seit 30 Jahren "Die Truman Show" ausgestrahlt wird. Der einzige, der nichts davon ahnt, ist der Hauptdarsteller: Truman Burbank. Carrey hat in dem Film bewiesen, dass er nicht "nur" Komiker, sondern auch Schauspieler ist. Seine Leistung wurde mit dem Golden Globe als Bester Darsteller honoriert. Genau wie ein Jahr später seine Rolle im "Mondmann", wo sowohl sein schauspielerisches als auch sein komisches Talent gefordert waren. Carrey erweckte den jung gestorbenen Komiker Andy Kaufmann so realistisch zum Leben, dass dessen Vater vor Schreck in Tränen ausbrach. 

Top oder Flop?

In seinem Film "Ich beide und sie" spielt Carrey den "nettesten Typ der Welt". Von seiner Frau verlassen, entwickelt Charlie eine zweite Persönlichkeit, Hank. Hank lebt die Aggression aus, die Charlie unterdrückt. Ein Paradethema für den Verwandlungskünstler, der wie auf Knopfdruck zwischen den Charakteren umschalten kann. Die Kritiker in den USA haben den Streifen zerrissen: "Aufwärmen alter Gags", "schockierend unoriginell", "dumm und immerdümmer". Die schauspielerische Leistung Carreys erkennen trotzdem alle an.

Filmpartnerin Carreys ist Renee Zellweger, die an der Seite von Tom Cruise in "Jerry Maguire" bekannt wurde. Frauen lieben Männer, die sie zum Lachen bringen. Bislang war Carrey dabei eher glücklos. Zweimal geschieden, beim zweiten Mal schon nach zehn Monaten. Jetzt haben sich zwei gefunden. Renee Zellweger und Jim Carrey leben gemeinsam in der Filmmetropole Los Angeles.

© Oliver Gerhard

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