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Starportraits: Clint Eastwood - Westernheld, Bürgermeister, Starregisseur

 

Als „Mann ohne Namen" debütierte er in Italo-Western. Mit „Dirty Harry" schrieb er Filmgeschichte. Clint Eastwood ist ein Allroundtalent. Holzfäller in seiner Jugend, Bürgermeister in seiner Heimatstadt, erfolgreicher Regisseur und Produzent in Hollywood. Sein neuer Film "Space Cowboys" ist jetzt im Kino zu sehen.

Ein amerikanischer Lebenslauf: Im Mai 1930 wurde Clint Eastwood in San Francisco geboren. Und bekam gleich die Auswirkungen der wirtschaftlichen Depression zu spüren. Auf der Suche nach Arbeit zog seine Familie die gesamte Westküste entlang. Clint lernte dabei zehn verschiedene Schulen kennen. Danach musste er hart zupacken: Als Holzfäller, Heizer im Stahlwerk und Tankwart steuerte er zum Familieneinkommen bei.

Clint Eastwood

Cooler als Rock Hudson

Noch kein Gedanke an Schauspielerei: Mit 18 ging er zur Armee, danach begann er ein Wirtschaftsstudium. Zum Überleben grub er Swimmingpools unter der glühenden kalifornischen Sonne. Freunde empfahlen ihm ein Schauspielstudium. Die Universal Studios engagierten den jungen Eastwood für 75 Dollar die Woche. Seine ersten Sätze vor der Kamera kamen noch reichlich nervös raus. Ein paar Filme später wirkte er schon so cool, dass Rock Hudson ihm seine Sonnenbrille abschwatzte und selbst damit vor die Kamera trat.

Grünschnabel in „Cowboys"

Nach anderthalb Jahren feuerte ihn Universal wieder. Außer Nebenrollen nichts gewesen. Clint schlug sich weiter mit B-Movies und Billigwestern durch, bis er für die Western-Serie "Rawhide" (in Deutschland: "Cowboys") engagiert wurde. Nicht etwa, weil er durch seine bisherigen Rollen auffiel - ein Agent sprach ihn an, als er in einem Gang des CBS-Gebäudes herumlungerte. Auf einem scheinbar nie endenden Viehtrieb durfte er den Cowboy „Rowdy" spielen. Aber keinen echten Rowdy, sondern nur einen netten Grünschnabel.

Der „Mann ohne Namen" macht sich einen

Ob er in einem Western in Italien und Spanien mitspielen wolle, fragte man ihn nach fünf Jahren Viehtrieb. „Not particularly", war seine Antwort. Doch ein Blick ins Drehbuch stimmte ihn um. Die Rolle: Der "Mann ohne Namen". Der Regisseur: Ein Mann (noch) ohne Namen in Hollywood - Sergio Leone. Der Western „Für eine Handvoll Dollar" wurde in Europa zum Kassenknüller. In den USA fiel die Kritik darüber her - zu gewalttätig, zu zynisch, nicht „politisch korrekt" genug. Als tougher, lakonischer Gunman legte Clint Eastwood sein Sunnyboy-lmage für immer ab. Und Sergio Leone prägte ein neues Genre: den Spaghetti-Western. Mit „Für ein paar Dollar mehr" und „Zwei glorreiche Halunken" setzten Leone und Eastwood den Erfolg fort. Clints Karriere als Westernstar nahm damit erst ihren Anfang. In vielen weiteren Filmen zementierte er das Bild des einsamen Helden, der durch die Hölle gehen muss, um als gnadenloser Rächer wiederzukehren, wie in „Hängt ihn höher" oder Jahrzehnte später in „Pale Rider".

Make my day"

Als Westernheld wurde Clint Eastwood zum Star, als eiskalter Cop "Dirty Harry" 1971 zum Superstar. In der Rolle des Harry Callahan eroberte er mit seiner 44er Magnum nicht unbedingt die Herzen, aber die Kinokassen. Sein Kampf gegen Bürokratie und lasche Justiz traf den Ton, den Amerika hören wollte. Seine markigen zynischen Sprüche brachten ihm aber auch den Ruf eines reaktionären Law-and-Order-Mannes ein. Mehrere Fortsetzungen waren deshalb nicht weniger erfolgreich.

Intermezzo als Bürgermeister

Zu Hause in Carmel hatte Clint Eastwood irgendwann die Nase voll. Eine bürokratische unflexible Stadtverwaltung, zuviel Regeln, zuviel Steuern. Kurz entschlossen kandidierte er 1986 selbst als Bürgermeister. 70% seiner Mitbürger wählten ihn für zwei Jahre. Und er räumte auf, ganz wie im Western: Abschaffung von Beschränkungen, eine neue Bücherei, saubere Straßen. Dann entschwand er wieder in die Traumfabrik Hollywood.

Hinter der Kamera

Vor dreißig Jahren gründete Eastwood eine eigene Produktionsgesellschaft. Seitdem hat er fast jedes Script, das er anfasste, in Gold verwandelt. Kaum ein Schauspieler stand öfter als Regisseur hinter der Kamera als er. Seine größten Erfolge: Der Western "Pale Rider", der sensible Liebesfilm „Die Brücken am Fluss" und „Bird", ein düsteres Künstlerporträt des Jazzfans Eastwood über den Jazzmusiker Charlie Parker. Viel Gold in Form von Oscars (beste Regie, bester Hauptdarsteller) gewann der Star für den Western „Erbarmungslos". In dem Film rechnet er humorvoll ab: Mit übertriebenem Stolz und überzogener Männlichkeit, mit seiner alten Rächerrolle und dem ganze Westerngenre.

Rentner im Weltraum

Mit seinem neuen Film „Space Cowboys" wagt sich der 70jährige ins Weltall. Eigentlich wollte er nur produzieren und spielen – mangels Regisseur übernahm er den Job auch noch. Seine Partner James Garner und Donald Sutherland wurden dabei hart rangenommen: Sutherland brach sich das Knie, Garner renkte sich die Schulter aus. Und Clint entdeckte die Arztrolle: Er renkte die Schulter wieder ein.

© Oliver Gerhard

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